Aktive latente Steuern buchen

In Deutschland besteht aufgrund des Maßgeblichkeitsprinzips in § 5 Abs. 2 EStG eine Verknüpfung zwischen der Handelsbilanz und der Steuerbilanz.

Bestehen zwischen den handelsrechtlichen Wertansätzen von Vermögensgegenständen, Schulden und Rechnungsabgrenzungsposten und ihren steuerlichen Wertansätzen Differenzen, die sich in späteren Geschäftsjahren voraussichtlich abbauen, so kann gem. § 274 Abs. 2 HGB eine sich daraus insgesamt ergebende Steuerentlastung als aktive latente Steuern in der Bilanz anzusetzen. Folglich besteht für aktive latente Steuern im Gegensatz zur passiven latenten Steuern ein Bilanzierungswahlrecht in der Handelsbilanz. Kleine Kapitalgesellschaften sind gem. § 274a Nr. 5 HGB dagegen gänzliche von der Bilanzierung der latenten Steuern befreit.

Aktive latente Steuern entstehen, sofern

Aktivposten in der Handelsbilanz niedriger angesetzt werden als in der Steuerbilanz

Passivposten in der Handelsbilanz höher angesetzt werden als in der Steuerbilanz.

Beispiel für aktive latente Steuern:

Ein Handelsunternehmen X bestellt beim Produktionsunternehmen Y in Oktober 2014 eine Maschine zum Preis von 100.000 EUR. Das Produktionsunternehmen Y kalkuliert mit Herstellungskosten von 80.000 EUR. Aufgrund der plötzlichen gestiegenen Einkaufspreise für Rohstoffe wird die bestellte Maschine im Herstellungsprozess insgesamt 110.000 EUR kosten. Dadurch wird das Produktionsunternehmen zukünftig einen Verlust in Höhe von 10.000 EUR erleiden. In der Handelsbilanz ist gem. § 249 Abs.1 HGB eine Drohverlustrückstellung i.H.v. 10.000 EUR anzusetzen. Dagegen darf gem. § 5 Abs. 4a EStG in der Steuerbilanz keine Drohverlustrückstellung gebildet werden.

Folglich ist der Passivposten in der Handelsbilanz um 10.000 EUR höher als in der Steuerbilanz. 30% von 10.000 EUR sind 3.000 EUR. Damit ist in Höhe von 3.000 EUR eine aktive latente Steuer in der Handelsbilanz des Produktionsunternehmen Y zu bilden.