Rückstellungen buchen | Bildung und Auflösung

Rückstellungen sind Verbindlichkeiten, welche hinsichtlich Ihres Bestehens oder der Höhe ungewiss sind. Die Rückstellungen werden auf der Passivseite der Bilanz abgebildet und sind ein Teil des Fremdkapitals. Gem. § 253 Abs. 1 S. 1 HGB sind Rückstellungen in Höhe des nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrages anzusetzen.

Genau betrachten wird durch Bilanzierung von Rückstellungen periodenübergreifende Erfolgsvorgänge abgegrenzt. Sofern ein Ereignis X aus diesem Jahr erst im Folgejahr, bzw. Folgejahren zur einer möglichen, aber ungewissen Auszahlung führt, dann würde das Unternehmen in diesem Jahr aufwandswirksam eine Rückstellung buchen.

Es wird zwischen einer Aufwands- und Schuldrückstellung unterschieden. Bei einer Schuldrückstellung bestehen ungewisse Verpflichtungen gegenüber Dritten, wogegen bei einer Aufwandsrückstellung eine zukünftige ungewisse Verpflichtung gegenüber sich selber, besteht. Ein Beispiel für eine Aufwandsrückstellung ist unter anderem eine Instandhaltungsrückstellung. § 266 Abs. 3 B HGB unterscheidet zwischen drei Arten von Rückstellungen. Diese sind:

  1. Rückstellung für Pensionen und Verpflichtung
  2. Steuerrückstellungen
  3. Sonstige Rückstellungen




Auflösung von Rückstellungen

Laut § 249 Abs. 2 S. 2 HGB dürfen Rückstellungen nur aufgelöst werden, soweit der Grund hierfür entfallen ist.  Nachfolgend wird anhand eines Beispiels die Auflösung einer Rückstellung veranschaulicht.

Im Geschäftsjahr 2015 rechnet Unternehmen X mit hinreichender Wahrscheinlichkeit aufgrund von Mangellieferungen an Dritte mit Prozess- und Schadensersatzkosten von 100.000 EUR. Eine Gerichtsentscheidung wird erst am 01. April 2016 gefällt. Unternehmen X bucht im Jahresabschluss 2015 folgende Buchung:

Prozesskosten                 20.000 EUR                         an                          Sonstige Rückstellung 100.000
Schadensersatzkosten   80.000 EUR

Im Folgejahr wird die Rückstellung nach einem unwiderruflichen Gerichtsurteil gefällt. Hierfür gibt es 3 Optionen für Unternehmen X.

1 Option: Gericht spricht Unternehmen X i.H.v. 20.000 EUR Prozesskosten und 80.000 EUR Schadensersatzkosten schuldig. Da das Unternehmen X im Vorjahr diese Rückstellung in gleicher Höher bilanzier hat, wird diese gegen das Konto Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ausgebucht. Im Jahr der Auflösung ergeben sich keine Auswirkungen auf die Auflösung der Rückstellung aus. Die dazugehörige Buchung in 2016 sie wie folgt aus:

Sonstige  Rückstellung 100.000 EUR                       an                          Verbindlichkeiten aLuL 100.000 EUR

  1. Option: Gericht spricht Unternehmen X schuldig die Prozesskosten i.H.v. 20.000 EUR und Schadenersatzleistungen in Höhe von 100.000 EUR zu bezahlen. Damit ist der Aufwand um 20.000 EUR höher ausgefallen, als durch das Unternehmen X im Vorjahr in der Rückstellung erfasst wurde. Im Geschäftsjahr 2016 wird diese Entscheidung wie folg abgebildet:

Sonstige Rückstellung  100.000 EUR                       an                          Verbindlichkeiten aLuL 120.000 EUR
Schadensersatz               20.000 EUR

Damit wird im Geschäftsjahr 2016 ein zusätzlicher Aufwand in Höhe von 20.000 EUR buchhalterisch erfasst.

  1. Option: Gericht spricht in 2016 das Unternehmen X komplett von allen Prozess- und Schadensersatzkosten frei. Da im Vorjahr bereits eine Rückstellung aufwandswirksam gebildet wurde, muss diese erfolgswirksam in 2016 aufgelöst werden. In vielen Fällen erfolgt es über das Konto Periodenfremder Aufwand. Die entsprechende Buchung lautet:

Sonstige Rückstellung 100.000 EUR                        an                  Periodenfremder Aufwand 100.000 EUR