Geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) / Sofortabschreibung / GWG-Poolabschreibung

Grundsätzlich sind Wirtschaftsgüter (GWG) des Anlagevermögens in der Bilanz zu aktivieren und über die Nutzungsdauer des Wirtschaftsgutes abzuschreiben. Der Gesetzgeber hat den steuerpflichtigen Unternehmen nach § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG ermöglicht in gewissen Grenzen die Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens nicht mehr über die tatsächliche Nutzungsdauer abzuschreiben, sondern im gleichen Jahr, bzw. verteilt über fünf Jahre abzuschreiben.

1. Variante: Abschreibung der geringwertigen Wirtschaftsgüter (GWG) im gleichen Jahr

Bei abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens gem. Nach § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG, die einer zu einer selbstständigen Nutzung fähig sind, können im Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag für das einzelne Wirtschaftsgut 410 Euro nicht übersteigen.

Voraussetzungen für GWG-Abschreibung im selben Jahr:

  • Selbstständiges bewegliches Wirtschaftsgut

Ein Wirtschaftsgut ist nicht selbstständig nutzbar, wenn es nur mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens genutzt werden kann. So ist zum Beispiel ein Laptop als ein selbstständiges Wirtschaftsgut anzusehen. Dagegen ist ein Monitor nicht als selbstständiges Wirtschaftsgut anzusehen, weil dieser ausschließlich mit einem externen Rechner genutzt werden kann.

  • GWG Verzeichnis

Für geringwertige Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens im Wert zwischen 150 und 410 Euro muss der Steuerpflichtige ein GWG-Verzeichnis, der den Tag der Anschaffung, oder Herstellung und die Anschaffungs- und Herstellungskosten ausweist. Unternehmer mit doppelten Buchführung brauchen keine besonderes Verzeichnis anzulegen, weil alle nötigen Angaben aus dem Kontoblatt ersichtlich sind.

  • Anschaffungsgrenze in maximaler Höhe von 410 Euro

Die Nettoanschaffungskosten sollten den Betrag von 410 Euro nicht übersteigen. Dabei ist auf den Nettorechnungsbetrag ohne die Berücksichtigung der Vorsteuer abzustellen.

  • Aufwand für Wirtschaftsgut mit Anschaffungskosten bis 150 Euro

Alle Anschaffungen von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens bis zu einem Nettokaufpreis von 150 Euro können sofort als Aufwand gebucht werden.

Rechtsfolge

Sofern man sich am Anfang des Jahres dafür entschieden hat alle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Anschaffungskosten zwischen 150 Euro und 410 Euro auf das Konto GWG bis 410 Euro zu verbuchen, dann wird das GWG-Konto zum Jahresende abgeschrieben und damit komplett gewinnmindernd erfasst.

Änderung der GWG-Schwelle für Sofortabschreibung ab 2018

In 2017 hat der Gesetzgeber mit Wirkung für das Wirtschaftsjahr 2018 beschlossen, dass die GWG-Schwelle für Abschreibung des Wirtschaftsgutes im selben Jahr von 410 Euro auf 800 Euro angehoben wird.

2. Variante: GWG-Poolabschreibung für Wirtschaftsgüter zwischen 150,01 und 1.000 Euro

Selbstständige Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten zwischen 150,01 und 1.000 EUR können alternativ gem. § 6 Abs. 2a EStG auf ein GWG-Konto gebucht und über die Laufzeit von 5 Jahren abgeschrieben werden. Dabei kommt es nicht auf den Zeitpunkt der Anschaffung an. Angeschaffte Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens im Januar 2017 und Dezember 2017 werden mit einem fünftel des Anschaffungspreises in 2017 abgeschrieben.

Es ist zu beachten, dass die angewandte GWG-Abschreibungsmethode am Anfang des Jahres festgelegt und unterjährig nicht mehr geändert werden darf. Die GWG-Poolabschreibung ist gegenüber der anderen Methode zu bevorzugen, sofern im Unternehmen viele Anschaffungen im Wert von 410 bis 1000 Euro getätigt werden und die Laufzeit der Abschreibung länger als 5 Jahre beträgt.